Hitzfeld müsste sich anpassen
04 Jan
Autor: Yves - Kategorie: Bundesliga, EM, News
Nun ist es definitiv. Bayern Münchens Trainer Ottmar Hitzfeld verlässt den FC Hollywood auf Ende Saison. Zur Wahl stehen dem Lörracher ein lukrativer Expertenjob bei Premiere und das Amt des Schweizer Nati-Coaches. Der Job eines Nationaltrainers hat sich in den letzten Jahren jedoch gründlich verändert. Vom Posten eines verdienten Fussballtrainers zum Umsetzer einer vorgegebenen Fussballphilosophie.![]()
Ist Ottmar Hitzfeld bereit, sich anzupassen? (Bildquelle: sport.sf.tv)
Früher war es ein Ehrenamt: Nationalcoach. Kaum ein junger, unerfahrener Trainer durfte sich ernsthafte Chancen auf diesen Prestigeposten ausrechnen, wenn er nicht gerade Beckenbauer hiess. So ein Amt war verdienten Clubtrainern um die 60 vorbehalten, welche auf dem Höhepunkt ihrer Karriereplanung angelangt waren. Spätestens seit Jürgen Klinsmann und Köbi Kuhn sind solche ungeschriebenen Gesetze obsolet.
Technischer Direktor bestimmt die Musik
Deutschland ist in dieser Hinsicht schon so weit vorgeschrieben, dass die Taktik im Vertrag festgeschrieben steht. Im Klartext: Jogi Löws Nachfolger ist vertraglich verpflichtet, offensiv zu spielen und mit Viererkette. Seit Jürgen Klinsmann nach der völlig verkorksten EURO 04 die völlig veralteten Strukturen beim DFB radikal modernisiert hat, verfolgen unsere nördlichen Nachbarn endlich eine einheitliche Philosophie innerhalb ihrer Auswahlteams. Von der U15 an wird eine einheitliche Taktik gespielt und die gleiche Philosophie vermittelt. Mittlerweile sorgt mit Matthias Sammer ein Sportdirektor für die richtige Umsetzung. Die Zeiten, in welcher jeder Auswahltrainer selber wurstelte, sind endlich vorbei.
Beim SFV bekleidet seit über zehn Jahren Hansruedi Hasler das Amt des Technischen Direktors. Er gilt als Vater der positiven Entwicklung der Nachwuchsnationalmannschaften, welche bis zur A-Nati durchgedrungen ist. Hasler erarbeitete ein einheitliches Konzept für die Juniorenauswahlen, welches in ganz Europa hoch geschätzt wird. Jeder einzelne Spieler hat das 4-4-2 sowie das blitzschnelle Kurzpassspiel verinnerlicht. Mit Köbi Kuhn übernahm im Sommer 2001 der erfolgreiche U21-Coach (u.a. Frei, Magnin, Cabanas) den Job als Nati-Trainer. Kuhn setzte diese Philosophie im zerstrittenen A-Team um, welches damals aus lauter Individualisten bestand. Das Resultat ist bekannt. Ausgerechnet Köbi, welcher davor noch nie eine grosse Klubmannschaft betreut hatte!![]()
Hansruedi Hasler - Vater der SFV-Erfolge (Bildquelle: www.nzz.ch)
Welchen Deal handelt Lämmli aus?
Ernst Lämmli, als Stumpen rauchender Delegierter der Nationalmannschaft zuständig für die Köbi-Nachfolge, kennt Hitzfeld schon aus gemeinsamen, erfolgreichen FC Aarau-Zeiten Ende der 80er-Jahre. Verständlich, dass Lämmli seinen Freund Hitzfeld nur allzu gerne als neuen Nati-Coach präsentieren möchte. Doch wo liegt die finanzielle Schmerzgrenze? Bei den Bayern verdient Hitzfeld rund 5 Millionen Euro pro Saison, währenddem Kuhns Verdienst bei 750′000 Franken jährlich liegt. Lämmli ist gut beraten, nicht allzu hoch zu pokern. Mehr als 1,5 Millionen Franken wären nicht zu verantworten. Klar, Hitzfeld ist eine schillernde Figur, welche zweifelsohne für wesentlich mehr Medienpräsenz der Schweizer Fussball-Nati in Deutschland garantieren würde. Es bleibt jedoch fraglich, wie viele zusätzliche Werbemillionen der SFV dadurch generieren könnte.![]()
Ist Stumpen-Lämmli für den Hitzfeld-Deal der richtige Mann? (Bildquelle: www.20min.ch)
Fussball hat sich enorm verändert
Die Entwicklung des Fussballs ist noch lange nicht ausgereizt. Besonders im sportmedizinischen Bereich gibt es noch viel Verbesserungspotenzial. Dies hat die Zusammenarbeit von Jürgen Klinsmann mit dem US-Fitness-Guru Mark Verstegen eindrücklich bewiesen. Solch neuen Ansätze werden von den Alt-Stars am Anfang reflexartig belächelt. Ein stetes Reizthema ist der Sportpsychologe. Für Trainer aus Hitzfelds Generation ein rotes Tuch. Oft ist es für sie völlig unverständlich, weshalb Bewährtes aus ihrer eigenen Karriere plötzlich nicht mehr Gültigkeit haben sollte.
Die heutige Spielergeneration ist jedoch kaum vergleichbar. Die aktuellen Spieler brauchen eine andere Behandlung wie noch vor 20 Jahren. Ob man dies nun einsieht oder nicht. Hitzfeld hat in seiner zweieinhalbjährigen Pause bewiesen, dass er auch im hohen Alter noch lernwillig ist und moderne Ansätze (Fitness, Taktik) in die Trainingsgestaltung seiner Bayern einfliessen lässt. Von diesem Aspekt her, würde Hitzfeld das Anforderungsprofil her klar erfüllen.
Skeptischer bin ich hingegen bei seinem Umgang mit jungen Spielern. Hitzfeld neigt dazu, eher auf verdiente Routiniers zu setzen und Junge auf der Bank schmoren zu lassen. Als Schweizer Nationaltrainer wäre dies jedoch fatal. Frei, Magnin, Streller und Eggimann sind die einzigen Feldspieler unter Jahrgang 1983, welche für die WM 2010-Kampagne etwas im Nationalteam verloren haben.
Hitzfeld wünschenswert, aber…
.. nicht um jeden Preis
… nur unter der Bedingung, dass er die Hasler’sche Philosophie weiterverfolgt
… nur, wenn er konsequent auf Junge setzt und keine Altstars (Celestini, Huggel, Cabanas, Wicky, Müller) aufbietet. Lieber unbekümmerte Offensiv-Power und Hochgeschwindigkeits-Kurzpassspiel als internationale Erfahrung.






























