Wie die Presse gestern berichtete, wird Ottmar Hitzfeld mit grösster Wahrscheinlichkeit – wie von vielen erwartet – nach der Europameisterschaft 2008 die Schweizer Fussballnationalmannschaft übernehmen. Die Verbandsspitze soll sich am Sonntag in den entscheidenden Punkten mit Hitzfeld einigen haben können.

Hitzfeld winkt den Fans zu
[Bildquelle: Swissinfo]
Nach viel Spekulation und Ungewissheit scheint die Zukunft der Schweizer Nati nach der Europameisterschaft, was den Trainer angeht, nun gesichert. Der deutsche Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld wird Nachfolger von Köbi Kuhn und wird versuchen die Schweiz an die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika zu führen. Der Vertrag ist zwar noch nicht endgültig unterzeichnet, doch die Verbandsbosse sind sehr zuversichtlich, dass sie die Nachricht bis Ende Monat definitiv bestätigen können. Hitzfeld ist momentan bei Bayern München tätig, wo jedoch schon lange klar war, dass er den Verein im Sommer wieder verlassen würde. Für den Lörracher gab es, wie er selber oft betonte, zwei Möglichkeiten: Einerseits die Schweizer Nationalmannschaft zu übernehmen und andererseits als TV-Experte bei Premiere zu arbeiten, wie er es schon von 2004-2007 während seiner Auszeit vom Trainerberuf getan hatte. Hitzfelds zukünftiges Engagement für die Schweiz ist ein klares Zeichen dafür, dass der 59-Jährige noch immer heiss auf Fussball ist.
Zur Person
Ottmar Hitzfeld ist am 12. Januar 1949 in Lörrach, nahe der schweizerischen Grenze geboren und hat auch dort Fussball spielen gelernt. Seine Profikarriere begann er 1970 beim FC Basel, wo er zwei Meistertitel gewann und im Jahre 1973 Torschützenkönig wurde. 1975 wechselte er in die 2. Bundesliga zum Vfb Stuttgart und war massgeblich am Aufstieg der Schwaben in die Bundesliga zwei Jahre später beteiligt. Nach seinen Jahren bei Stuttgart kehrte er in die Schweiz zurück, wo er für Lugano und Luzern spielte, bevor er 1983 seine Karriere als Spieler beendete. Seine ersten Stationen als Trainer waren der FC Zug, der FC Aarau und schliesslich GC, wo er zweimal nacheinander Schweizermeister wurde. Dank dieser Erfolge war auch als Trainer der Wechsel in die Bundesliga logische Konsequenz. Hitzfeld übernahm Borussia Dortmund und führte den Verein 1997 zum Champions League Titel. Ein Jahr darauf wurde er von Bayern München verpflichtet, wo er in 6 Jahren ganze 8 Titel holte (4-mal Meister, 2-mal Pokalsieger, 1-mal Champions League, 1-mal Weltpokal). Diese Titel machten ihn zu einem der erfolgreichsten Klubtrainer der Geschichte. Nachdem er dann 2004 von den Bayern entlassen wurde, nahm er sich eine Auszeit vom Trainerjob, die er aber 2007 beendete, um erneut Trainer des deutschen Rekordmeisters zu werden. Hitzfeld hat die Möglichkeit sein Palmarés als Klubtrainer diese Saison noch einmal zu erweitern, bevor er dann seinen ersten Anlauf als Nationaltrainer wagt.
Rosige Zukunft?!
Die Reaktionen auf die Verpflichtung von Hitzfeld sind allgemein sehr positiv. Stéphane Chapuisat, der jahrelang unter Hitzfeld in Dortmund gespielt hat, ist überzeugt, dass der Deutsche auch als Nationaltrainer Erfolg haben wird: “Hitzfeld weiss, wie man Spiele gewinnt.” [Quelle: Swissinfo] Zudem attestiert der Romand seinem ehemaligen Trainer einen grossen Ehrgeiz und einen sehr anständigen und respektvollen Umgang mit den Spielern. Ein kleines Problem könnte die Sprachbarriere darstellen, da Hitzfeld kein Französisch spricht, doch Michel Pont, bisheriger Assisten von Köbi Kuhn, wäre sicher bereit auch unter Hitzfeld Assistent zu bleiben und auch Hitzfeld hat angedeutet, dass er an einer Zusammenarbeit mit Pont interessiert ist. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Hitzfeld auf Verbandsebene gleiche Erfolge erzielen kann wie als Clubtrainer. In der Schweizerischen Nationalmannschaft kann er nicht darauf zählen, dass ihm für viele Millionen internationale Superstars wie Luca Toni oder Franck Ribéry zur Verfügung gestellt werden. Hier muss er mit dem Spielermaterial arbeiten, das gegeben ist. Es besteht jedoch grosse Hoffnung, dass Hitzfeld es schaffen sollte das durchaus vorhandene Potential, gerade der jungen Spieler, rauszukitzeln und auch die Schweizer Nati zum Erfolg zu führen. Ehrgeiz scheint noch genügend vorhanden zu sein, sonst hätte sich der Deutsche wohl zur Ruhe gesetzt und keine Nationalmannschaft übernommen…